Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Kindern: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Kindern: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn ein Kind plötzlich aufhört zu atmen oder das Herz stillsteht, zählt jede Sekunde. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) kann den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Auch wenn der Gedanke beängstigend ist, kann jeder mit dem richtigen Wissen schnell und wirksam handeln. Diese Anleitung erklärt Schritt für Schritt, wie Sie bei Kindern – vom Säugling bis zum Schulkind – eine Wiederbelebung durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Bevor Sie beginnen – Situation einschätzen
Der erste Schritt ist immer, die Sicherheit zu prüfen. Achten Sie darauf, dass weder Sie noch das Kind in Gefahr sind (z. B. durch Verkehr, Strom oder Feuer).
- Bewusstsein prüfen: Sprechen Sie das Kind laut an und schütteln Sie es vorsichtig an den Schultern. Bei Säuglingen können Sie sanft an der Fußsohle kitzeln oder leicht klopfen.
- Keine Reaktion? Rufen Sie laut um Hilfe. Wenn Sie allein sind, wählen Sie 112 – am besten mit Lautsprecherfunktion, damit Sie Anweisungen erhalten, während Sie helfen.
- Legen Sie das Kind auf den Rücken auf eine feste Unterlage und prüfen Sie die Atmung.
Atmung kontrollieren
Heben Sie das Kinn leicht an und neigen Sie den Kopf vorsichtig nach hinten. Halten Sie Ihr Ohr über Mund und Nase des Kindes und beobachten Sie den Brustkorb.
- Sehen: Hebt und senkt sich der Brustkorb?
- Hören: Ist Atemgeräusch zu hören?
- Fühlen: Spüren Sie Luft an Ihrer Wange?
Wenn das Kind nicht normal atmet oder nur nach Luft schnappt, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung.
Beginnen Sie mit 5 Atemspenden
Bei Kindern und Säuglingen ist Sauerstoffmangel häufig die Ursache für einen Herzstillstand. Deshalb startet man mit 5 Atemspenden.
- Öffnen Sie die Atemwege – eine Hand auf die Stirn, Kinn leicht anheben.
- Säuglinge: Umschließen Sie Mund und Nase mit Ihrem Mund. Kinder über 1 Jahr: Umschließen Sie nur den Mund, halten Sie die Nase zu.
- Blasen Sie sanft Luft ein, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt.
- Wiederholen Sie dies 5 Mal.
Hebt sich der Brustkorb nicht, prüfen Sie, ob die Atemwege blockiert sind, und versuchen Sie es erneut.
Herzmassage durchführen
Nach den 5 Atemspenden beginnen Sie mit der Herzdruckmassage.
Für Kinder über 1 Jahr:
- Platzieren Sie den Handballen in der Mitte des Brustkorbs, unterhalb der Brustwarzenlinie.
- Drücken Sie etwa 5 cm tief.
- Führen Sie 30 Kompressionen mit einer Frequenz von 100–120 pro Minute durch (etwa zwei pro Sekunde).
- Danach geben Sie 2 Atemspenden.
Für Säuglinge unter 1 Jahr:
- Verwenden Sie zwei Finger in der Mitte des Brustkorbs, unterhalb der Brustwarzen.
- Drücken Sie etwa 4 cm tief, 30 Mal, und geben Sie anschließend 2 kleine Atemspenden.
Fahren Sie fort mit dem Rhythmus 30 Kompressionen – 2 Atemspenden, bis das Kind wieder atmet oder Hilfe eintrifft.
Wenn Sie allein sind
Sind Sie allein und hat noch niemand den Notruf abgesetzt, führen Sie etwa 1 Minute HLW (ca. 5 Zyklen von 30:2) durch, bevor Sie 112 anrufen. Nehmen Sie das Kind mit, wenn möglich, und nutzen Sie die Lautsprecherfunktion, um während des Gesprächs weiterhelfen zu können.
Einsatz eines Defibrillators (AED)
Wenn ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) in der Nähe ist:
- Schalten Sie ihn ein und folgen Sie den Sprachanweisungen.
- Verwenden Sie Kinder-Elektroden, falls vorhanden. Wenn nicht, nutzen Sie die normalen Elektroden, achten Sie aber darauf, dass sie sich nicht berühren.
- Unterbrechen Sie die HLW nur, wenn das Gerät dazu auffordert, und setzen Sie sie danach sofort fort.
Wenn das Kind wieder atmet
Beginnt das Kind wieder normal zu atmen, aber bleibt bewusstlos, bringen Sie es in die stabile Seitenlage. Überwachen Sie die Atmung, bis der Rettungsdienst eintrifft. Halten Sie das Kind warm und ruhig und seien Sie bereit, die Wiederbelebung erneut zu beginnen, falls die Atmung aussetzt.
Nach dem Notfall
Auch wenn das Kind schnell wieder zu sich kommt, sollte es ärztlich untersucht werden. Sauerstoffmangel oder Herzstillstand können Spätfolgen haben, die nur Fachpersonal erkennen kann. Vergessen Sie nicht, auch auf sich selbst zu achten – nach einer solchen Situation sind emotionale Reaktionen völlig normal.
Lernen Sie HLW – bevor Sie sie brauchen
Kenntnisse in Erster Hilfe können Leben retten. In Deutschland bieten Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter-Unfall-Hilfe oder der Malteser Hilfsdienst regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse an, auch speziell für Eltern und Betreuungspersonen. Je besser Sie vorbereitet sind, desto sicherer und ruhiger können Sie handeln, wenn es darauf ankommt.











